37242 Bad Sooden-Allendorf

Hardtstraße 36, 37242 Bad Sooden-Allendorf
Tel.: 05652 – 55 0, FAX 05652 – 55 870

Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links - auch speziell von
 
der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner - finden Sie hier

SCHLAGANFALL
Informationsforum

von Dr. Carsten Schröter


Was ist ein Schlaganfall, wie häufig ist er?

Ein Schlaganfall ist nach Herz-Kreislauferkrankungen und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Todesursache in den Industrieländern. Darüber hinaus stellt ein Schlaganfall den wichtigsten Faktor für Langzeitbehinderung in Europa dar. Es wird angenommen, dass in Deutschland ca. 200.000 Personen jährlich an einem Schlaganfall neu erkranken und ca. 1.000.000 Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls leben.  

In etwa 80% der Fälle handelt es sich dabei um einen Hirninfarkt, das heißt eine Minderdurchblutung eines Teils des Gehirns. Eine Arterie ist verlegt. In ca. 15% liegt eine Hirnblutung vor. In diesem Falle platzt eine Arterie im Gehirn und es blutet in das Hirngewebe hinein. Mit 5% ist die sogenannte Subarachnoidalblutung die seltenste Form eines Schlaganfalls. Hier blutet es in die Flüssigkeit, die das Gehirn umgibt, das Nervenwasser, auch Liquor genannt.  

Was ist bei Auftreten eines Schlaganfalls zu tun?

Ist einmal ein Schlaganfall aufgetreten, so ist er wie der Herzinfarkt ein medizinischer Notfall. Für eine gute Erstversorgung ist daher ein möglichst rascher Transport in ein Krankenhaus vorzunehmen, in dem eine qualifizierte Akutbehandlung gewährleistet ist. Da Schmerzen fehlen wird der Schlaganfall oft nicht als Notfall erkannt, und viele Patienten und Angehörige zögern, den Notruf abzusetzen. Daher ist die Aufklärung über die Erstsymptome des Schlaganfalls und die daraus resultierende Notfallbehandlung sehr wichtig.  

Typische Zeichen eines Schlaganfalls können sein:  

  • Plötzlich auftretende Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen in einer Körperhälfte
  • Einengung der Gesichtsfelder (Hemianopsie), Doppeltsehen, Sehverlust 
  • Gangunsicherheit
  • Stürze ohne erkennbare Ursache
  • Akut auftretender Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Schluckstörungen
  • Plötzlich auftretender heftigster Kopfschmerz etc.

Welche Untersuchungen werden bei einem Schlaganfall durchgeführt?  

Computertomographie des Schädels (CCT) – die „Röhre“  

Mit Hilfe einer CCT-Untersuchung kann sicher zwischen einer Hirnblutung und einem Hirninfarkt unterschieden werden. Während eine Blutung als „weißer Fleck“ auf der CCT-Aufnahme bereits beim Auftreten des Schlaganfalls zu sehen ist, sieht man den Infarkt erst nach einigen Stunden bzw. Tagen. Ausgeprägte Frühzeichen in den ersten 6 Stunden nach dem Schlaganfall deuten auf einen ausgedehnten Infarkt hin. Ein Großteil der Subarachnoidalblutungen kann ebenfalls mit Hilfe der CCT diagnostiziert werden. Für kleinere Durchblutungsstörungen im Bereich des Hirnstammes ist diese Methode allerdings nicht sehr empfindlich. Hier ist ergänzend die Magnetresonanztomographie notwendig. Weiterhin dient die CCT zum Ausschluss anderer neurologischer Erkrankungen, die in ihrer Symptomatik einem Schlaganfall ähneln können.

Mit der Computertomographie ist heute auch eine Darstellung von Blutgefäßen möglich, das Verfahren nennt sich CT-Angiographie. Die konventionelle Angiographie kann sich aber nur für einige Fragestellungen ersetzen.  

Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels – auch eine „Röhre“  

Die MRT, die verglichen mit der CCT die empfindlichere Methode zur Untersuchung von Schädigungen des Hirngewebes ist, kann nicht überall zur Frühdiagnostik des Schlaganfalls eingesetzt werden. Moderne MRT-Techniken, wie die sogenannten Diffusions- und Perfusionswichtungen, die sehr früh Aussagen z.B. über die Durchblutung von Hirngewebe machen, mit denen bereits Minuten nach Symptombeginn das Infarktareal sichtbar gemacht werden kann, bereichern die Diagnostik in spezialisierten Zentren. Das MRT ist aber auch heute nicht in jedem Fall notwendig. Mit bestimmten Techniken kann man auch hier Hirnarterien sichtbar machen (MR-Angiographie).  

Ultraschall  

Mit Ultraschalltechniken lassen sich nicht nur Bauchorgane oder das werdende Leben im Mutterleib ansehen, sondern auch Aussagen über die das Gehirn versorgenden Arterien machen. Mit der Doppler-Sonographie wird der Blutfluss hörbar gemacht. Dadurch lassen sich Aussagen zu Verschlüssen und Verengungen  von Arterien machen. Mit der Duplexsonographie werden Bild der Arterien und Klang des Blutflusses kombiniert. Es sind sogar Untersuchungen der größeren Hirnarterien durch den Schädelknochen möglich (transkranielle Dopplersonographie, TCD).

Auch Untersuchungen des Herzens mit Ultraschall (Echokardiographie) sind oft notwendig nach einem Schlaganfall, sie dienen zur Erkennung von Emboliequellen im Herzen.  

Elektrokardiographie (EKG) und Laboruntersuchungen  

Das EKG gehört zu den Standarduntersuchungen in der Notfallsituation und dient zur Diagnostik von zeitgleich aufgetretenem Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen.

Laboruntersuchungen in der Akutsituation beinhalten insbesondere das Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte und Zucker (Glukose). 

Therapie nach Schlaganfall

Allgemeine medizinische Behandlung des akuten Schlaganfalls  

Bei allen Schlaganfall-Patienten müssen der neurologische Befund, Blutdruck, Puls und Temperatur regelmäßig kontrolliert werden. Es gibt eine Übereinstimmung darüber, dass die Behandlung der allgemeinen medizinischen Probleme die Grundlage der Schlaganfall-Behandlung ist. Die medizinische Versorgung umfasst die Sicherstellung von Herz- und Lungenfunktionen, den Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes, Blutdruckkontrollen und –behandlung sowie ggfs. die Behandlung erhöhten Hirndrucks. Zusätzlich gehören dazu die Behandlung von manchmal auftretenden epileptischen Anfällen, die Vorsorge und Behandlung von tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien sowie Lungenentzündungen oder Durchlagegeschwüren (Dekubitus).  

Blutdruckbehandlung:

Da die selbständige Regulation des Blutflusses im Gehirn in Gebieten mit sich entwickelnden Infarkten aufgehoben sein und somit direkt vom systemischen Blutdruck abhängen kann, sind Blutdruckabfälle möglichst zu vermeiden. Schlaganfall -Patienten haben allerdings akut meist einen erhöhten Blutdruck, so dass bei ihnen beispielsweise Blutdruckwerte von 190 / 100 mm Hg zu tolerieren sind. In allen Fällen ist eine leicht erhöhte Kreislauflage erwünscht, z.B. mit einem Blutdruck von 160/90 bis 180/100. Blutdruckentgleisungen systolisch, also den oberen Wert betreffend, über 220 mm Hg und diastolisch, also den unteren Wert betreffend, über 120 mm Hg werden jedoch in der Regel medikamentös behandelt, wobei darauf geachtet wird, dass keine zu drastische Blutdrucksenkung vorgenommen wird.

Die Indikation für eine Blutdrucksenkung in der Akutphase eines Hirninfarktes besteht vor allem beim gleichzeitigen akuten Herzinfarkt und eingeschränkter Belastbarkeit des Herzen. Im Falle einer Hirnblutung kann eine Blutdrucksenkung ebenfalls notwendig sein.

Hyperglykämie (erhöhte Blutzuckerwerte):

Erhöhte Blutzuckerwerte sind ungünstig für die weitere Prognose des Krankheitsverlaufs eines Schlaganfalls. Entsprechend sind normgerechte Blutzuckerwerte anzustreben.  

Lungenembolien und tiefe Beinvenenthrombosen:

An Lungenembolien versterben 5% aller Schlaganfall -Patienten unabhängig von der Prognose des Schlaganfalls. Dieses Risiko kann durch eine frühe Mobilisierung des Patienten und durch eine Heparin-Behandlung („Bauchspritze“) vermindert werden. Daher wird eine Vorbeugung mit niedrig dosiertem Heparin für bettlägerige Schlaganfall -Patienten empfohlen.  

Weitere allgemeine Aspekte:

Erhöhte Körpertemperaturen vergrößern in experimentellen Studien das Infarktgebiet und sind bei Schlaganfallpatienten mit einer schlechten Prognose verbunden. Bei Körpertemperaturen über 37,5°C werden deshalb fiebersenkende Substanzen eingesetzt.  

Spezielle Therapie des Hirninfarkts  

Innerhalb eines kurzen Zeitraumes nach Auftreten der Symptome kann der zum Schlaganfall führende Verschluss einer Arterie unter bestimmten Voraussetzungen aufgelöst werden. Die Behandlung ist umso effektiver, je früher sie einsetzt. Die Wirksamkeit ist innerhalb der ersten drei Stunden am größten, aber auch innerhalb der ersten 4,5 Stunden ist ein Effekt durch die sogenannte Lyse zu erwarten.   

Die frühzeitige hoch dosierte Gabe von Heparin konnte seine Wirksamkeit bei Hirninfarkten dagegen nicht belegen. Die Behandlung hat ihre Berechtigung nur noch bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für embolische Infarkte besitzen, das heißt bei Patienten, bei denen ein Gerinnsel aus dem Herzen als Ursache des Schlaganfalls angesehen wird. Hier ist die Gabe von Heparin aber nicht die möglichst schnelle Auflösung des Gerinnsels, sondern der Schutz vor weiteren Schlaganfällen. 

Zur Rehabilitation des Schlaganfalls

sei auf die Seite www.schlaganfall-rehabilitation.de verwiesen. 

Zur Vorbeugung vor erneuten Schlaganfällen

wird auf die Seite www.schlaganfall-vorbeugung.de verwiesen 

Schlaganfall: Krankheitsverarbeitung

Nach einem Schlaganfall ändert sich das Leben des Erkrankten wie auch das seiner Familie oft grundlegend. Der Patient verliert in der Akutphase die zuvor selbstverständliche Kontrolle über seine körperlichen Funktionen und Fähigkeiten. Es handelt sich zumeist für ihn um ein unbekanntes und nicht zu verstehendes Ereignis. Die Patienten entwickeln im Verlauf persönliche Verarbeitungsstrategien, wie die konfrontative Bewältigung, Distanzierung, Selbstbeherrschung, Flucht, Vermeidung oder Verdrängung.  

Zur Unterstützung der bewussten Auseinandersetzung mit der Störung benötigt der Patient ärztliche Informationen über die Ursachen und Hintergründe der Erkrankung, die Möglichkeiten der Vorbeugung vor weiteren Schlaganfällen werden besprochen. Bei den verschiedenen Therapien werden nach Möglichkeit dem Patienten Übungen an die Hand gegeben, die er selbständig durchführen kann. Hierdurch erhöht er den Effekt der Behandlungen und kann selber zu einem besseren Gesundheitszustand beitragen. Dies unterstützt die Entwicklung eines konstruktiven Umgangs mit der Erkrankung. In der Rehabilitationsklinik werden oft auch psychologische Behandlungen angeboten, beispielsweise in Form eines psychologisch geleiteten Gesprächskreis. Auch die Angehörigen müssen mit einbezogen werden, auch sie benötigen Unterstützung bei der Verarbeitung der Erkrankung des Partners.    

Schlaganfall - Nachsorge  

Auch nach Abschluss der Akutbehandlung und der Rehabilitation muss die Behandlung weitergehen. Die Risikofaktoren sind weiterhin im Auge zu behalten. Bestehen noch Beeinträchtigungen beispielsweise durch Lähmungen oder Störungen der Geschicklichkeit, Sprachstörungen oder Störungen von Gedächtnis und Konzentration können Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie oder Neuropsychologie weiterhin notwendig sein (s. auch www.schlaganfall-rehabilitation.de).  

Um den Patienten und ihren Angehörigen nach der Rehabilitation Möglichkeiten zu geben, sch auszutauschen oder Ansprechpartner bei sozialmedizinischen oder anderen Problemen zu finden, wurden Schlaganfall-Selbsthilfegruppen gegründet. Über Ziele und Möglichkeiten der Schlaganfall-Selbsthilfegruppen informieren die Seiten www.schlaganfall-selbsthilfegruppe.de und www.schlaganfall-selbsthilfegruppe-werra-meissner.de.  

Mit den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit  

Dr. med. Carsten Schröter

Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von Amyotrophe Lateralsklerose bis zur Therapie der spastischen Spinalparalyse -
finden Sie hier

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie uns Ihre Fragen...
und klicken Sie hier...

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Schicken Sie uns eine E - mail

Dr. Carsten Schröter

Tel.: 05652 – 55 861, FAX 05652 – 55 814

Klinik Hoher Meissner
Hardtstraße 36, 37242 Bad Sooden-Allendorf
Tel.: 05652 – 55 0, FAX 05652 – 55 870

Impressum · · Anfahrt

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.