Schlaganfall
von Dr. med. Carsten Schröter
Der
Schlaganfall ist nach Herz-Kreislauferkrankungen
und Tumorerkrankungen die dritthäufigste Todesursache in den Industrieländern.
Darüber hinaus stellt der Schlaganfall den wichtigsten Faktor für
Langzeitbehinderung in Europa dar. Es wird angenommen, dass in Deutschland ca.
200.000 Personen jährlich an einem Schlaganfall neu erkranken und ca. 1.000.000
Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls leben. In etwa 80% der
Fälle handelt es sich dabei um einen Hirninfarkt, das heißt eine
Minderdurchblutung eines Teils des Gehirns. Eine Arterie ist verlegt. In ca. 15%
liegt eine Hirnblutung vor. In diesem Falle platzt eine Arterie im Gehirn und es
blutet in das Hirngewebe hinein. Mit 5% ist die sogenannte Subarachnoidalblutung
die seltenste Form eines
Schlaganfalls. Hier blutet es in die Flüssigkeit, die das Gehirn umgibt, das
Nervenwasser, auch Liquor genannt.
Was
ist bei Auftreten eines Schlaganfalls zu tun?
Ist
einmal ein Schlaganfall aufgetreten, so ist er wie der Herzinfarkt
ein medizinischer Notfall. Für eine gute Erstversorgung ist daher ein möglichst
rascher Transport in ein Krankenhaus vorzunehmen, in dem eine qualifizierte
Akutbehandlung gewährleistet ist. Da Schmerzen
fehlen wird der Schlaganfall oft nicht als Notfall erkannt, und viele Patienten
und Angehörige zögern, den Notruf abzusetzen. Daher ist die Aufklärung über
die Erstsymptome des Schlaganfalls und die daraus resultierende
Notfallbehandlung sehr wichtig.
Typische
Zeichen eines Schlaganfalls sind:
Welche
Untersuchungen werden bei einem Schlaganfall durchgeführt?
Schlaganfall:
Computertomographie des Schädels (CCT) – die „Röhre“
Mit
Hilfe einer CCT-Untersuchung kann sicher zwischen einer Hirnblutung und einem
Hirninfarkt unterschieden werden. Während eine Blutung als „weißer Fleck“
auf der CCT-Aufnahme bereits beim Auftreten des Schlaganfalls zu sehen ist,
sieht man den Infarkt erst nach einigen Stunden bzw. Tagen. Ausgeprägte Frühzeichen
in den ersten 6 Stunden nach dem Schlaganfall deuten auf einen ausgedehnten
Infarkt hin. Ein Großteil der Subarachnoidalblutungen kann ebenfalls mit Hilfe
der CCT diagnostiziert werden. Für kleinere Durchblutungsstörungen im Bereich
des Hirnstammes ist diese Methode allerdings nicht sehr empfindlich. Hier ist
ergänzend die Magnetresonanztomographie notwendig. Weiterhin dient die CCT zum
Ausschluss anderer neurologischer Erkrankungen, die in ihrer Symptomatik dem
Schlaganfall ähneln können.
Schlaganfall:
Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels – auch eine „Röhre“
Die
MRT, die verglichen mit der CCT die empfindlichere Methode zur Untersuchung von
Schädigungen des Hirngewebes ist, kann nicht überall zur Frühdiagnostik des
Schlaganfalls eingesetzt werden. Moderne MRT-Techniken, wie die sogenannten
Diffusions- und Perfusionsuntersuchungen, die sehr früh Aussagen z.B. über die
Durchblutung von Hirngewebe machen, mit denen bereits Minuten nach Symptombeginn
das spätere Infarktareal sichtbar gemacht werden kann, revolutionieren die
Diagnostik in spezialisierten Zentren derzeit. Das MRT ist aber auch heute nicht
in jedem Fall notwendig. Mit bestimmten Techniken kann man sogar die
Hirnarterien sichtbar machen (MR-Angiographie).
Schlaganfall:
Ultraschall
Mit
Ultraschalltechniken lassen sich nicht nur Bauchorgane oder das werdende Leben
im Mutterleib ansehen, sondern auch Aussagen über die das Gehirn versorgenden
Arterien machen. Mit der Doppler-Sonographie wird der Blutfluss hörbar gemacht.
Dadurch lassen sich Aussagen zu Verschlüssen und Verengungen
von Arterien machen. Mit der Duplexsonographie werden Bild der Arterien
und Klang des Blutflusses kombiniert. Es sind sogar Untersuchungen der größeren
Hirnarterien durch den Schädelknochen möglich (transkranielle
Dopplersonographie, TCD).
Auch
Untersuchungen des Herzens
mit Ultraschall (Echokardiographie) sind oft notwendig nach einem Schlaganfall,
sie dienen zur Erkennung von Emboliequellen im Herzen.
Schlaganfall:
Elektrokardiographie (EKG) und Laboruntersuchungen Das EKG gehört zu den Standarduntersuchungen in der Notfallsituation und dient zur Diagnostik von zeitgleich aufgetretenem Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen.
Laboruntersuchungen
in der Akutsituation beinhalten insbesondere das Blutbild, Elektrolyte und Zucker (Glukose).
Schlaganfall:
Therapie
Allgemeine
medizinische Behandlung beim akuten Schlaganfall
Bei
allen Schlaganfall - Patienten müssen der neurologische Befund, Blutdruck, Puls
und Temperatur regelmäßig kontrolliert werden. Es gibt eine Übereinstimmung
darüber, dass die Behandlung der allgemeinen medizinischen Probleme die
Grundlage der Schlaganfall - Behandlung ist. Die medizinische Versorgung umfasst
die Sicherstellung von Herz- und Lungenfunktionen, den Ausgleich des Flüssigkeits-
und Elektrolythaushaltes, Blutdruckkontrollen und –behandlung sowie ggfs. die
Behandlung erhöhten Hirndrucks. Zusätzlich gehören dazu die Behandlung von
manchmal auftretenden epileptischen Anfällen, die Vorsorge und Behandlung von
tiefen Beinvenenthrombosen und Lungenembolien oder Lungenentzündungen sowie Durchlagegeschwüren (Dekubitus).
Schlaganfall:
Blutdruckbehandlung
Da
die selbständige Regulation des Blutflusses im Gehirn in Gebieten mit sich
entwickelnden Infarkten aufgehoben sein und somit direkt vom systemischen
Blutdruck abhängen kann, sind Blutdruckabfälle möglichst zu vermeiden.
Schlaganfall - Patienten haben allerdings akut meist ein
erhöhter
Blutdruck, so dass bei ihnen beispielsweise Blutdruckwerte von 190 /
100 mmHg zu tolerieren sind. In allen Fällen ist eine leicht erhöhte
Kreislauflage erwünscht, z.B. mit einem Blutdruck von 160/90 bis 180/100.
Blutdruckentgleisungen systolisch, also den oberen Wert betreffend über 220
mmHg und diastolisch, also den unteren Wert betreffend über 120 mmHg sollten
jedoch in der Regel medikamentös behandelt werden, wobei darauf zu achten ist,
dass keine zu drastische Blutdrucksenkung vorgenommen wird. Die Indikation für eine Blutdrucksenkung in der Akutphase eines Hirninfarktes besteht vor allem beim gleichzeitigen akuten Herzinfarkt und eingeschränkter Belastbarkeit des Herzen. Im Falle einer Hirnblutung kann eine Blutdrucksenkung ebenfalls notwendig sein.
Schlaganfall:
Hyperglykämie (erhöhte Blutzuckerwerte)
Erhöhte
Blutzuckerwerte sind ungünstig für die weitere Prognose des Krankheitsverlaufs
eines Schlaganfalls. Entsprechend sind normgerechte Blutzuckerwerte
anzustreben.
Schlaganfall:
Lungenembolien und tiefe Beinvenenthrombosen
An
Lungenembolien versterben 5% aller Schlaganfall - Patienten unabhängig von der
Prognose des Schlaganfalls. Dieses Risiko kann durch eine frühe
Mobilisierung des Patienten und durch eine Heparinbehandlung
(„Bauchspritze“) vermindert werden. Daher wird eine Vorbeugung mit
niedrigdosiertem Heparin für bettlägerige Schlaganfall - Patienten empfohlen.
Schlaganfall:
Weitere allgemeine Aspekte
Erhöhte
Körpertemperaturen vergrößern in experimentellen Studien das Infarktgebiet
und sind bei Schlaganfall - Patienten mit einer schlechten Prognose verbunden.
Bei Körpertemperaturen über 37,5°C sollten deshalb fiebersenkende Substanzen
eingesetzt werden.
Schlaganfall:
Spezielle Therapie des Hirninfarkts
Innerhalb eines kurzen
Zeitraumes nach Auftreten der Symptome kann der zum Schlaganfall führende
Verschluss einer Arterie unter bestimmten Voraussetzungen aufgelöst werden. Die
Behandlung ist umso effektiver, je früher sie einsetzt. Die Wirksamkeit ist
innerhalb der ersten drei Stunden am größten. Die sogenannte Lyse verbessert die Chancen einer Rückbildung
der Symptome. Die frühzeitige hochdosierte Gabe von Heparin konnte seine Wirksamkeit bei Hirninfarkten dagegen nicht belegen. Die Behandlung hat ihre Berechtigung nur noch bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für embolische Infarkte besitzen, das heißt bei Patienten, bei denen ein Gerinnsel aus dem Herzen als Ursache des Schlaganfalls angesehen wird. Hier ist die Gabe von Heparin aber nicht die möglichst schnelle Auflösung des Gerinnsels, sondern der Schutz vor einem weiteren Schlaganfall.
Zur Rehabilitation des Schlaganfalls
sei
auf die Seite www.schlaganfall-rehabilitation.de
verwiesen. Zur Vorbeugung vor einem weiteren Schlaganfall
wird
auf die Seiten www.schlaganfall-vorbeugung.de
und www.aorteninsuffizienz.de/schlaganfall
verwiesen.
Schlaganfall:
Krankheitsverarbeitung
Nach einem
Schlaganfall ändert sich das Leben des Erkrankten wie auch das seiner Familie
oft grundlegend. Der Patient verliert in der Akutphase die zuvor selbstverständliche
Kontrolle über seine körperlichen Funktionen und Fähigkeiten. Es handelt sich
zumeist für ihn um ein unbekanntes und nicht zu verstehendes Ereignis. Die
Patienten entwickeln im Verlauf persönliche Verarbeitungsstrategien, wie die
konfrontative Bewältigung, Distanzierung, Selbstbeherrschung, Flucht,
Vermeidung oder Verdrängung.
Zur
Unterstützung der bewussten Auseinandersetzung mit der Störung benötigt der
Patient ärztliche Informationen über die Ursachen und Hintergründe der
Erkrankung, die Möglichkeiten der Vorbeugung vor einem weiteren Schlaganfall
wird besprochen. Bei den verschiedenen Therapien werden nach Möglichkeit dem
Patienten Übungen an die Hand gegeben, die er selbständig durchführen kann.
Hierdurch erhöht er den Effekt der Behandlungen und erhält das begründete Gefühl,
selbst etwas an dem Zustand für sich tun zu können. Dies unterstützt die
Entwicklung eines konstruktiven Umgangs mit der Erkrankung Schlaganfall. In der
Rehabilitationsklinik werden oft auch psychologische Behandlungen angeboten,
beispielsweise in Form eines psychologisch geleiteten Gesprächskreis. Auch die
Angehörigen müssen mit einbezogen werden, auch sie benötigen Unterstützung
bei der Verarbeitung der Erkrankung des Partners. Schlaganfall - Nachsorge
Auch nach Abschluss der Akutbehandlung
und der Rehabilitation muss die Behandlung weitergehen. Die Risikofaktoren sind
weiterhin im Auge zu behalten. Bestehen noch Beeinträchtigungen beispielsweise
durch Lähmungen oder Störungen der Geschicklichkeit, so sind Krankengymnastik,
Ergotherapie, Logopädie oder Neuropsychologie weiterhin notwendig (s. auch www.schlaganfall-rehabilitation.de).
Um den Patienten und ihren Angehörigen nach der Rehabilitation Möglichkeiten zu geben, Ansprechpartner bei sozialmedizinischen oder anderen Problemen zu finden, wurden Schlaganfall -Selbsthilfegruppen gegründet. Über Ziele und Möglichkeiten der Schlaganfall -Selbsthilfegruppen informieren die Seiten www.schlaganfall-selbsthilfegruppe.de und www.schlaganfall-selbsthilfegruppe-werra-meissner.de. Die
Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt.
Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um
Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen
und Ergänzungen sind vorgesehen.
Chefarzt
der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
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